Wohnungslosigkeit explodiert – Bundesregierung steuert sozialpolitisch in die Katastrophe

Die neuen Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zeichnen ein erschütterndes Bild: Über eine Million Menschen waren 2024 in Deutschland wohnungslos, darunter 264.000 Kinder und Jugendliche. 56.000 Menschen lebten sogar ganz ohne Unterkunft auf der Straße – mehr als jemals zuvor erfasst wurde. Die Zahl der Wohnungslosen ist innerhalb eines Jahres um 11 Prozent gestiegen, nach bereits 53 Prozent Zuwachs im Vorjahr. Thorben Peters, Landesvorsitzender von Die Linke Niedersachsen, kritisiert:

 

„Diese Entwicklung ist ein sozialpolitischer Offenbarungseid. Wenn im Jahr 2024 über eine Million Menschen in Deutschland keine eigene Wohnung haben und 56.000 sogar auf der Straße leben, dann hat die Politik ihren Auftrag komplett verfehlt. Ein Plus von 11 Prozent in nur einem Jahr und sogar 53 Prozent im Vorjahr zeigt klar: Wir haben es mit einer eskalierenden Krise zu tun, die die Bundesregierung nicht nur ignoriert, sondern durch Untätigkeit und Sozialabbau weiter verschärft.“

 

Die Ursachen dieser dramatischen Entwicklung liegen laut BAG W offen zutage: ein struktureller Mangel an bezahlbarem Wohnraum, ein stark zurückgehender Bestand an Sozialwohnungen, immer weiter steigende Mieten und wachsende Armut. Hinzu kommen wachsende Miet- und Energieschulden, familiäre Krisen, Wohnungsverlust nach Trennungen und eine Überlastung der sozialen Dienste. Besonders betroffen sind Familien und Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die in vielen Fällen nie eine Chance auf regulären Wohnraum hatten.

 

Peters weiter:

„Während die Lage eskaliert, gießt die Bundesregierung auch noch Öl ins Feuer. Die geplanten Eingriffe ins Bürgergeld sind nichts anderes als ein Angriff auf die Existenzsicherung. Viele Menschen im Bürgergeldbezug kämpfen mit psychischen Belastungen, instabilen Lebenslagen, Krankheit oder extremer Armut. Termine zu versäumen ist oft Ausdruck dieser schwierigen Situation und keine ‚Arbeitsverweigerung‘. Wer Sanktionen verschärft, Leistungskürzungen ausweitet und Menschen bei verpassten Terminen die vollständigen Mietzahlungen streichen will, nimmt bewusst in Kauf, dass Betroffene umgehend ihre Wohnung verlieren. Das ist nicht nur zynisch, das ist sozialpolitische Brandstiftung.“

 

Angesichts der dramatischen Lage fordert Die Linke Niedersachsen ein konsequentes und sofortiges politisches Umsteuern:

 

- Massiver Ausbau von Sozialwohnungen durch ein landes- und bundesweites Investitionsprogramm – sofort und nicht erst in Jahren

- Mietendeckel und wirksame Begrenzung von Mieterhöhungen, besonders in angespannten Märkten

- Sofortiger Stopp aller Kürzungen in der Wohnungsnotfallhilfe und deutliche Aufstockung der Beratungs- und Präventionsangebote

- Verbot von Energiesperren und wirksame Hilfen bei Miet- und Energieschulden

- Keine Verschärfung der Bürgergeld-Sanktionen, sondern ein Sicherungssystem, das Wohnungsverlust verhindert statt produziert

- Verbindliche Quoten für Kommunen, um wohnungslose Haushalte zuverlässig unterzubringen

Mehr Personal und Ressourcen für Jugendhilfe, Beratungsstellen und soziale Dienste, die seit Jahren überlastet sind