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Landesrat Linke Frauen und LAG Antifa

Antifeminismus in der politischen Rechten

Heute ist der 08. März 2021. Wir schauen auf 103 Jahre Frauenwahlrecht, 72 Jahre Gleichberechtigung im Grundgesetz, 24 Jahre Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe und 4 Jahre Ehe für Alle. Doch ist das wirklich alles?

Utøya- Toronto - Christchurch - Halle - Hanau. Diese fünf Städte stehen beispielhaft für zahlreiche rechte Terroranschläge in den letzten zehn Jahren.

Und diese fünf Anschläge haben etwas gemeinsam. Die Täter beriefen sich vor, während oder nach ihren Taten auf antifeministische, frauenverachtende und queerfeindliche Motive. Ausschlaggebend für diesen Zusammenhang ist die - zumeist antisemitische - Verschwörungserzählung vom sogenannten "Großen Austausch". Dieser zutiefst rassistische Mythos findet sich nahezu überall innerhalb der rechten Szene wieder. Er handelt von einer angeblichen Invasion "nicht-weißer" Menschen, die die Ausrottung der "weißen Rasse" zum Ziel haben soll. Dabei gilt der Feminismus, die Selbstbestimmung aller Geschlechter und die daraus resultierende geringere Zahl "weißer" Nachkommen als Beschleuniger des "Großen Austauschs".

Verbreitet werden völkisch-nationalstische Äußerungen wie diese meist in Verbindung mit antifeministischer Ideologie vor allem in anonymen Internetforen. Attraktiv sind diese Foren vor allem für Männer, die davon ausgehen, ein Recht auf die Kontrolle über Frauen zu haben - wobei ihnen dieses aber verwehrt bleibt. Als Erklärungsversuch wird also die angebliche jüdische Verschwörung herangezogen, die mithilfe des Feminismus und der weltweiten Migration einen Umsturz der Verhältnisse zur Folge haben soll.

Damit ist der in der gesamten Gesellschaft verbreitete und von Gesetzen und patriarchalen Normen aufrecht erhaltene Antifeminismus nicht selten der Einstieg in die gewaltbereite rechte Szene. 

In diesem Kontext zögern rechte Männer auch nicht, sich "heldenhaft" als Beschützer der "weißen" Frau zu inszenieren. Dabei zeigt sich rechter Hass auf Frauen in Attentaten wie oben beschrieben, aber auch in etlichen Fällen von häuslicher und sexualisierter Gewalt durch Neonazis. Bei solchen Taten können die Betroffenen den Tätern nahe stehen; sie können aber auch zufällig gewählte Ziele von Angriffen auf offener Straße sein.

Genauso typisch für (neu-)rechte Ideologie ist der Hass gegen Homo- oder Bisexuelle, inter*, trans* oder nicht-binäre Menschen. Vor allem die rechtspopulistische Politik der letzten Jahre hat Begriffe wie "Gender-Gaga" in der angeblichen Mitte der Gesellschaft fest verankert und schürt damit den Hass auf und die öffentliche Gewalt gegen Personen, die sich nicht in konservative Schubladen einordnen lassen.

Diese Anti-Gender-Rhetorik von rechter Seite lässt sich auf mindestens zwei Motive zurückführen. Zum Einen die oben genannte Dichtung des "Großen Austauschs". Zum Anderen die Bedrohung des einfachen Weltbilds der Täter durch Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen außerhalb der konstruierten Norm. Dieses Weltbild sieht nämlich klare Rollenbilder vor, so z.B. jenes von der unterlegenen, sorgenden Frau und dem überlegenen, soldatischen Mann. Wenn diese Bilder erschüttert werden, fürchten rechte Männer um ihre Vorherrschaft in der Gesellschaft und ihr imaginiertes "natürliches Recht" auf ihre historisch gewachsene Position. Die angebliche "Verweichlichung der Männer" steht der Aufrechterhaltung traditioneller Hierarchien im Wege und gefährdet augenscheinlich die biologistischen Konzepte von Ehe, Familie und völkischer Gemeinschaft. 

Die Folgen daraus sind Drohungen, Einschüchterungen und Taten; und viel zu häufig wird das Motiv der Frauen- und Queerfeindlichkeit nicht als solches benannt.

Antifeminismus und Anti-Gender-Debatten sind der gemeinsame Nenner neonazistischer, religiös-fundamentalistischer, konservativer und liberaler Akteur*innen und führten somit in den letzten Jahrzehnten zu einem stetigen Rechtsruck des politischen Diskurses.

Der Landesrat LINKE Frauen und die LAG Antifa fordern daher alle linken Bündnisse und parlamentarischen Kräfte dazu auf, einen vereinten Kampf gegen Sexismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit zu führen. Wir kämpfen für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, eine gerechte Verteilung der Sorgearbeit, für mehr Gewaltschutzhilfen für betroffene Frauen und queere Menschen und wir kämpfen für gleiches Geld für gleiche Arbeit. Wir kämpfen für eine Veränderung in den Köpfen der Menschen. Denn nur so kann es uns gelingen, das Bindeglied zwischen Antifeminismus und rechter Ideologie zu zerschlagen und ein freies, selbstbestimmtes Leben für uns alle zu erreichen


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