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Die Landesarbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer NDS ist ein Zusammenschluss im Umfeld und innerhalb der LINKEN. Unsere Mitglieder sind Lesben, Schwule, Transsexuelle, Transgender, Bisexuelle, Intersexuelle, BDSM-er und Heterosexuelle. Wir lehnen Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit als gesellschaftliche Norm ab. Solange eine heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit stillschweigend ein Maßstab politischer Entscheidungen, juristischer Rahmensetzungen und kultureller Debatten bleibt, werden sexuelle und geschlechtliche Ausgrenzung reproduziert. Unser Ziel ist die Überwindung des Gegensatzes von “normal” und “anders”. Wir kämpfen gegen Homo- und Transphobie und für die Akzeptanz und Gleichstellung der unterschiedlichen Lebensweisen und der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in der Gesellschaft. Wir treten Diskriminierungen von queeren Gruppen und Einzelpersonen entgegen.
NEWS AUS DER LAG QUEER
Sexuelle und geschlechtliche Identität
Vor kurzem hat die LAG queer zusammen mit dem Landesvorstand Niedersachsen aufgefordert, ihren Antrag zur Änderung des Grundgesetzes zu unterstützen. Das Merkmal „sexuelle und geschlechtliche Identität“ soll ergänzt werden. Silvia Sedelmayr von der Landesarbeitsgemeinschaft queer fordert: „Es muss Schluss sein, mit der stereotypen Denkweise, es gäbe nur Mann und Frau. Nein, es gibt Menschen, die wollen oder können sich nicht festlegen und deshalb ist es erforderlich, hier eine Änderung im Gesetz zu erreichen. Im Pass müssen künftig drei Geschlechter zur Auswahl stehen.“
Aufruf! #mequeer #HomoBrauchtKeineHeilung
Nach #metoo und #metwo gibt es jetzt den Hashtag #mequeer. Unter dem Hashtag #mequeer berichten und erzählen Opfer von ihren Diskriminierungserlebnissen aufgrund ihrer sexuellen Identität oder Orientierung, um eine breitere Aufmerksamkeit für die nach wie vor stark vorherrschende Homo-, Bi-, Transphobie in Deutschland und auf der ganzen Welt zu schaffen.
Wer die Kampagne durch seine Unterschrift unterstützen will, kann hier vorbei gucken! Außerdem wird dazu aufgerufen, persönliche Erlebnisse unter dem Hashtag #mequeer auf Twitter, Instagram, Facebook etc. zu teilen.
„Die Frauen müssen selber etwas tun, die Männer werden das nicht für sie erledigen.“
– Interview mit Silvia Sedelmayr
Wenn man die Wohnung von Silvia Sedelmayr betritt, wird man als erstes von einer Flut bunter Quietscheentchen begrüßt. „Die sammele ich leidenschaftlich“, sagt sie und grinst. Tatsächlich sind diese Enten überall zu finden, im Bad, in der Küche, sogar im Schlafzimmer. Genauso, wie die Flaggen mit Aufschriften wie Refugees Welcome, die jeder Wand der Wohnung eine Aussage verleihen. Sie machen deutlich: Hier wohnt jemand, dem die aktuelle Situation in Deutschland nicht am Arsch vorbei geht. Die geflüchteten Menschen, die mit ihren Problemen zu uns kommen und unsere Hilfe brauchen, um sich wieder sicher zu fühlen und anzukommen. Menschen mit unfassbaren Geschichten, deren Schicksale für einen einzelnen Personen untragbar erscheinen. Der Seximus, der immer noch herrscht und gegen den wir aufstehen müssen, wir Frauen und auch die Männer. Die Nichtakzeptanz, mit der den Mitgliedern der LGBTQIA+ - Gemeinde leider immer noch in Deutschland begegnet wird. An dieser Situation wird sich nur etwas ändern, wenn die Menschen sich mehr engagieren. So, wie Silvia das tut: Sie arbeitet ehrenamtlich als Integrationslotsin, engagiert sich bei der Erwerbsloseninitiative und ist seit über 15 Jahren in der Politik aktiv, Schwerpunkt: Queerpolitik, Frauenpolitik.
Silvia, du und das politische und soziale Engagement - wir habt ihr zueinander gefunden? Ich hab angefangen mit der Politik, aus der Situation heraus, dass ich keine Arbeit mehr gefunden habe, als Frau mit etwas über 40. Ich habe gedacht, dass die Linke vielleicht die Partei ist, die sich um das Thema am häufigsten und intensivsten kümmert. Außerdem hat mich natürlich auch mein persönliches Erleben, also meine Geschichte oder mein „Coming Out“, wie man das so schön nennt, ebenfalls dazu bewogen, mich auch auf politischer Ebene für queere Menschen zu engagieren. Natürlich haben wir riesige Schritte in den letzten 15 bis 20 Jahren zurückgelegt, als letzten Höhepunkt selbstverständlich die Ehe für alle, die ja auf eine etwas kuriose Art und Weise zustande gekommen ist hier in Deutschland - in anderen Ländern ist das ein wenig politischer vonstatten gegangen… Naja, die tatsächliche Akzeptanz fehlt mir aber einfach und es gibt Forderungen, die immer noch nicht erfüllt wurden, zum Beispiel im Bereich der geschlechtsangleichenden Operationen, für diese Menschen muss wesentlich mehr getan werden, die Krankenkassen müssen da wesentlich beweglicher werden! Ja, so kommt es, dass ich da eben seit 15 Jahren in verschiedenen Bereichen tätig bin, mit meinen Schwerpunkten Queerpolitik und Frauen.
Du sprichst von dem Begriff „Queer“- der natürlich auch im Zusammenhang mit dem Begriff LGBTQAI+ steht. Was genau bedeutet das, wofür stehen diese Buchstaben? Das ist einfach ein Begriff, der alles zusammenfasst, was sich nicht als straight, also nicht als heterosexuell bezeichnet. LGBTQIA+ setzt sich einfach aus Abkürzungen für die verschiedenen Identifikationsformen zusammen. L steht für lesbisch, G steht für gay (bei LGBTQIA wird von der englischen Bezeichnung ausgegangen), also schwul, B für bisexuell, T für transgender, also transsexuell, Q steht queer, I für intersexuell, A für asexuell und das Plus soll einfach keine andere Gruppe ausschließen, da gibt es noch viele andere. Ich persönlich bezeichne mit als queer. Die Bezeichnung wird ja gerne auch mal humoristisch belegt, allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass dieser Begriff, einfach gut für Menschen verwendet werden kann, die sich gegen die standardisierte Norm - monogame Beziehung zwischen Cis- Mann und- Frau— wenden und sagen, es gibt auch viele andere Formen von Liebe und Beziehung.
Wie fühlst du dich denn als Frau und vor allem auch als queerer Mensch hier in Wilhelmshaven wahrgenommen, unterstützt und respektiert? Hast du schonmal hier in WHV Diskriminierung aufgrund deines Geschlechts oder deiner sexuellen Orientierung erfahren? Als Frau habe ich persönlich immer das Gefühl, das ich nicht so wahrgenommen werde, wie ich es gerne möchte, aber das kann ich ja entsprechend beeinflussen. Wenn ich einen blöden Spruch bekomme, knall ich dem Kerl eben einen zurück oder guck ihn blöd an. Ich mache ihm klar- so nicht. Gleichzeitig muss frau das einfach abperlen lassen und darf nicht möglich machen, dass das einen Einfluss auf sie hat. Und im Bereich queer hält sich das echt in Grenzen, also da habe ich noch nie großartig negative Erfahrung gemacht. Ich habe auch gar nicht das Bedürfnis, so großartig in Erscheinung zu treten. Die Szene kennt sich und man respektiert einander, man unterstützt sich, wenn es erforderlich ist. Und ich werde hier und da schonmal dazugerufen, wenn es darum geht, queere Geflüchtete zu unterstützen.
Stimmt, du hast mir vor ein paar Tagen den Link zu einer Petition geschickterzähl doch bitte nochmal, worum es dabei ging! Es gibt unterschiedliche Petitionen und die letzte, die mir aufgefallen ist, war eine Petition, die sich an den Bayrischen Landtag gerichtet hat. Dabei ging es um die Verhinderung der Abschiebung von Lesben in ihr Heimatland. Es handelt sich um ein afrikanisches Land, indem solchen Frauen die Todesstrafe, oder zumindest Haft mit Folter droht und das darf natürlich auf gar keinen Fall sein, sowas muss verhindert werden. Es gibt natürlich auch Petitionen, die sich zum Beispiel mit Gleichberechtigung auseinandersetzen - die letzte, die mir da so ein bisschen im Kopf geblieben ist, ist eine Petition von iranischen Frauen, die gerne ein Fußballspiel während der WM im Stadion live erleben möchten und nicht zuhause vorm Laptop oder Bildschirm.
Da ist das Thema Gleichberechtigung der Frau natürlich sehr wichtig- was denkst du, was du dazu beiträgst, dass diese Stadt einen Schritt nach vorne macht, im Bereich Gleichberechtigung, Gemeinschaft? Also kleine Schritte mache ich in der Hinsicht, dass ich Leute einbeziehe. Zum Beispiel in der Form, dass ich hier aus dem Mehrfamilienhaus, in dem ich wohne, junge Frauen und gerne auch ihre Kinder zu Veranstaltungen mitnehme, wo sich die Queergemeinde oder Geflüchtete treffen.
Hast du eine Empfehlung für Frauen in Wilhelmshaven, die sich mehr mit Feminismus oder der Queergemeinschaft auseinandersetzen wollen? Da würde ich einen Blick ins Netz empfehlen! Auf jeden Fall die Website der Linken in Niedersachsen, da gibt es viele Verknüpfungen zu Petitionen oder auch dem Landesrat der linken Frauen. Dann sind natürlich auch der Verein Queerströmung / Aids- Hilfe Friesland - Wilhelmshaven - Wittmund e.V. in Wilhelmshaven, die Erwerbsloseninitiative und das Migrationsbüro Wilhelmshaven sehr gute Punkte, um sich politisch und sozial einzusetzen.
Jetzt hast du ziemlich viel über dein politisches Engagement gesprochen- natürlich bist du als Person aber auch sehr interessant. Welche Frau hat dich denn inspiriert, den Weg zu gehen, den du gegangen bist? In den frühen 80er Jahren sicherlich Martina Navratilova, eine Tennisspielerin, weil sie damals schon offen zu ihrer Homosexualität stand. Natürlich war sie durch ihre finanzielle Unabhängigkeit privilegiert.
Gibt es eine weibliche Künstlerin, die du den Frauen ans Herz legen möchtest? Also meine Favoritin auf der Ebene ist die Musikerin Joan Armatrading, auch bekennende Lesbe, inzwischen schon 67 und steht immer noch auf der Bühne! Sie ist politisch aktiv und hat unter anderem auch auf einem riesigen Konzert von Nelson Mandela gesungen.
Wenn du drei Wünsche frei hättest - welche wären die? Frieden für alle. Gerechtigkeit für alle. Und allen Frauen ganz viel Kraft für ihr Tun, denn ich weiß- wir Frauen schaffen das!
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