12. September 2017

Direktorenvereinigung Niedersachsen

1.       Das gegliederte Schulsystem in Niedersachsen muss abgeschafft werden. Die beste Schulstruktur ist eine gemeinsame Schule bis zum Jg. 10.

DIE LINKE:

Die Nachfrage nach dem Gymnasium ist seit Jahren / Jahrzehnten unverändert hoch und steigt eher als sie fällt, mancherorts geht jedeR zweite SchülerIn auf ein Gymnasium. Angesichts dieses Wahlverhaltens ist eine Abschaffung des gegliederten Schulsystems auf absehbare Zeit nicht auf der Tagesordnung. DIE LINKE steht zwar grundsätzlich für die gemeinsame Schule bis zum Jahrgang 10, jedoch verkennen wir nicht die gesellschaftliche Realität. DIE LINKE will eine Änderung der Schulstruktur durch Überzeugung statt durch Verordnung erreichen. Wir unterstützen und werben für lokale Initiativen für starke Gesamtschulen. Nur mit einem gemeinsamen Wunsch der Akteure vor Ort soll die Struktur geändert werden. Wir verwahren uns gegen starre administrative Vorgaben genauso wie gegen ein „Ausbluten-Lassen“ durch Ressourcen-Entzug zu Lasten einzelner Schulformen. Wo SchülerInnen und Beschäftigte sind, müssen diese bestmöglich gefördert und ausgestattet werden.

2.       Eine Schule ohne Sitzenbleiben ist anzustreben.

DIE LINKE:

Grundsätzlich stimmen wir dieser These zu. Dies würde entweder bedeuten, dass anzustreben ist, dass alle das Klassenziel erreichen oder dass das Sitzenbleiben per se ausgeschlossen ist. In jedem Fall gilt:  Eine Schule ohne Sitzenbleiben setzt mehr pädagogisches Personal voraus, um die SchülerInnen besser unterstützen zu können.

3.       Inklusion ist so umzusetzen, dass Gymnasien nicht nur zielgleiche Förderbedarfe (z.B. sozial-emotional) ermöglichen, sondern auch zieldifferent unterrichten müssen (z.B. Förderbedarf geistige Entwicklung).

DIE LINKE:

Inklusion ist an allen Schulformen umzusetzen. Das Gymnasium darf hier keine Ausnahme bilden. Klar ist aber auch: Inklusion kann nur gelingen, wenn die Ressourcen stimmen: Weiterbildungsangebote für die Lehrkräfte + multiprofessionelle Teams, um allen Anforderungen gerecht werden zu können + ausreichende Ressourcen für die Schulen + passende bauliche Gegebenheiten.

4.       Gymnasien benötigen keine sozialpädagogische Unterstützung sowie weitere Schulassistenz.

DIE LINKE:

Doch. Jede Schule braucht ausreichendes Personal in allen pädagogischen Berufen. Es bedarf einer Grundzuweisung an allen Schulen sowie bei Bedarf einer Anpassung nach oben.

5.       IT-Administration für Verwaltung und Unterricht ist durch qualifizierte Lehrkräfte zu leisten.

DIE LINKE:

Die Administration von IT-Geräten ist keine pädagogische Tätigkeit, insofern muss sie nicht zwingend von pädagogischen Fachkräften ausgeführt werden. Sollten es doch Lehrkräfte machen, muss der Unterricht inkl. dem evtl. Angebot von freiwilligen Arbeitsgemeinschaften vollständig abgedeckt sein, und die Lehrkräfte müssen Anrechnungsstunden in ausreichender Höhe erhalten. Nur unter diesen Voraussetzungen sollten Lehrkräfte solche Tätigkeiten ausführen.

6.       Als Voraussetzung eines gegliederten weiterführenden Schulsystems ist die Schullaufbahnempfehlung der Grundschule erforderlich. Bei einer von der Empfehlung abweichenden Schulwahl muss es bei Nichtversetzung die Möglichkeit zur Korrektur des Bildungsgangs seitens der Schule geben.

DIE LINKE:

Als Voraussetzung für ein gegliedertes Schulsystem ist die Existenz mehrerer Glieder und somit die Wahlmöglichkeit erforderlich. Die Wahlentscheidung soll durch die Eltern erfolgen und von der Grundschule beratend begleitet werden. Eine solche Beratung soll Gesprächscharakter haben und nicht aus einer schlichten Schullaufbahnempfehlung bestehen.
Sollte einE SchülerIn an der gewählten Schulform zu schlechte Noten haben, bedarf es vor allem entsprechender Fördermaßnahmen der Schule sowie eines ergebnisoffenen Gesprächs mit den Eltern. Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn die Schule über ausreichend Kapazitäten verfügt.


7.       Die pädagogische und administrative Arbeit in gymnasialen Schulleitungen hat erheblich zugenommen. Um sie zu bewältigen ist eine 50% Erhöhung der Anrechnungsstunden für Koordinatoren und stellvertretende Schulleitung erforderlich.

DIE LINKE:

Dass die Schulen – und dort insbesondere die InhaberInnen von Funktionsstellen – mehr Entlastung brauchen, ist unbestritten. Daher spricht sich DIE LINKE für eine Erhöhung der Anrechnungsstunden aus. Ob es nun konkret 50 % sein sollen oder eher etwas mehr oder weniger, müsste genauer erörtert werden. Ebenso muss geprüft werden, welche Aufgaben aus der Schule zurück an die Landesschulbehörde verlagert werden können, damit die Schulen von diesen Tätigkeiten entlastet werden.

8.       Den niedersächsischen Gymnasien soll nach der Rückkehr zu G 9 die Einführung eines zusätzlichen G 8-Modells zur Schulzeitverkürzung im Klassenverband („Tempo-Klasse“) für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler ermöglicht werden.

DIE LINKE:

DIE LINKE ist gegen ein Kuddelmuddel bei den Gymnasialzügen. Es gibt G9 und innerhalb von G9 die altbewährten Möglichkeiten für schnellere SchülerInnen. Das ist ausreichend.

9.       Die Reform der Lehramtsstudiengänge mit dem Ziel der Stufenlehrerausbildung ist anzustreben.

Ja, DIE LINKE ist für eine Stufenlehrerausbildung. Die Qualität des GY-Lehramts wird dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen; die benötigte fachliche, didaktische und erziehungswissenschaftliche Qualität muss für alle Lehramtsausbildungen sichergestellt sein.