Wahlprogramm zur Landtagswahl 2017

Schule – länger gemeinsam lernen unter besseren Bedingungen

DIE LINKE kämpft für das gemeinsame Lernen aller Schüler*innen. Wir wollen eine demokratisch organisierte Schule und keine Lernfabrik. Durch Ganztagsangebote wird das enge Unterrichtskorsett entzerrt; der Stress soll aus dem Schulalltag verschwinden, sowohl für die Beschäftigten als auch für die Schüler*innen. Die Ganztagsschule macht auch Hausaufgaben überflüssig, weil die schulische Bildung eben dort stattfindet und außerhalb der Schule Freizeit Vorrang hat. Unser Leitbild ist die Integrierte Gesamtschule, an der alle Abschlüsse erreichbar sind.

Die SPD-Grüne Landesregierung hat sich bemüht, wichtige Projekte anzupacken: Ausbau der Inklusion, Ausbau des Ganztagsunterrichts, Stärkung des gemeinsamen Lernens aller Schüler*innen. Sie war allerdings genau das: „stets bemüht“. Die Reformen hat sie auf Kosten der Beschäftigten gemacht, indem sie den Lehrkräften unbezahlte Mehrarbeit aufdrückte. Dabei brauchen die Lehrkräfte und die pädagogischen Fachkräfte an den Schulen Entlastung statt noch mehr Belastung. Die Reform der Lehrerausbildung zu einer einphasigen Ausbildung, die schon früh Praxisanteile in die Ausbildung integriert, steht nach wie vor aus.

Die Landesregierung von SPD und Grünen hat das Abitur nach 13 Jahren wieder eingeführt und damit eine gemeinsame Forderung von SPD, Grünen und LINKEN erfüllt, um den massiven Schulstress für Schüler*innen, aber auch die Lehrkräfte etwas abzumildern. Sie hat aber auch den Versuch gemacht, die Lehrerarbeitszeit an den Gymnasien zu verlängern. So etwas hätte die LINKE nie zugelassen. Letztlich ist die Landesregierung mit ihren Plänen vor dem Oberverwaltungsgericht zu Recht gescheitert.

Auch unter der jetzigen Landesregierung entscheidet der Geldbeutel immer noch über die Bildungschancen. Die in der Oppositionszeit der SPD versprochene Lehrmittelfreiheit wurde nicht eingeführt. Das Aufteilen der Schüler*innen im Alter von zehn Jahren auf die verschiedenen Schultypen stärkt die soziale Spaltung im Bildungssystem und damit auch in der Gesellschaft. Deshalb muss das gegliederte Schulsystem überwunden werden.DIE LINKE will die soziale Schere auch in der Bildung schließen, kein Kind zurücklassen, jeden verfügbaren Euro in die Bildung stecken, um individuelle Förderung unter guten Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

DIE LINKE fordert deshalb:

  • die Stärkung der Gesamtschulen, u. a. durch die Änderung des Schulgesetzes: Die Gründung neuer Integrierter Gesamtschulen darf nicht von der Existenz von Gymnasien in der Nähe abhängig sein.

  • die allgemeine Lehrmittelfreiheit.

  • einen kostenfreien Schüler*innentransport, auch in der Sekundarstufe II, sowie eine Optimierung des Nahverkehrs an Schulwegen.

  • eine Entlastung aller Lehrkräfte durch die Verringerung der Unterrichtsverpflichtung und besondere Entlastungsstunden für Teilzeitkräfte.

  • mehr Schulsozialarbeiter*innen, Sozialbetreuer*innen und Vertrauensmenschen in die Schulen.

  • die Wiedereinführung der gestrichenen Altersermäßigung für Lehrkräfte.

  • eine Einstellungsoffensive an Schulen, um kleinere Klassen zu ermöglichen.

  • unbefristete Vollzeit-Verträge für alle Beschäftigten in den Schulen sowie eine Aufbesserung der Lehrer*innenarbeitszeit.

  • eine stärker praxis-orientierte einphasige Lehrer*innenausbildung, die sich an Schulstufen und nicht an Schulformen orientiert.

  • eine Anhebung des Schulbudgets zur auskömmlichen Finanzierung von Klassenfahrten und Fortbildungen.

  • ausreichende Fortbildungsmöglichkeiten, insbesondere für Inklusion und Medienpädagogik.

  • mehr Ressourcen für die Umsetzung der Inklusion.

  • eine Redemokratisierung der Schulen. Mehr Einfluss für die Gesamtkonferenzen und weniger Verwaltungstätigkeiten für die Schulleiter*innen.

  • den Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts.

  • die Ersetzung des Fachs „Religion“ durch das Pflichtfach „Religion-Ethik-Philosophie“.Bundeswehr raus aus den Schulen – kein Werben fürs Sterben.

  • die Vermittlung von Medienkompetenz an den Schulen.

  • die Ausweitung der Partizipationsmöglichkeiten an Schulen.

  • demokratisch und direkt gewählte Schüler*innenräte und Schüler*innenvertretungen an jeder Schule in Niedersachsen.

  • eine stärker alltagsorientierte Bildung in den Schulen durch Vermittlung von Kompetenzen, die im „Erwachsenenleben“ benötigt werden, z. B. Kochen, Steuererklärungen schreiben etc.