29. Juli 2014

Erklärung zu den Konflikten im Nahen Osten

Lieber Herr Fürst, lieber Herr Dr. Shammout, 


mit großem Respekt und großer Zustimmung haben wir die Erklärung der Jüdischen Gemeinde und der Palästinensischen Gemeinde in Hannover zu den gegenwärtigen Auseinandersetzungen im Gaza zur Kenntnis genommen.

Die Diskussion, das Ringen um die Einschätzung dessen, was sich im Nahen Osten zur Zeit ereignet, beschäftigt, wie Sie wissen, auch die Partei DIE LINKE stark. Sie haben uns mit dieser Erklärung ein Beispiel dafür gegeben, wie diese Diskussion stattzufinden hat.

Dafür danken wir Ihnen. 


Mit freundlichem Grüßen und in enger Verbundenheit 


Sabine Lösing
Dr. Manfred Sohn
(Landesvorsitzende)


Hier die Erklärung der Jüdischen Gemeinde und der Palästinensischen Gemeinde in Hannover im Wortlaut:


Gemeinsame Erklärung zur anhaltenden Antisemitismusdebatte

Seit mehr als 5 Jahren verbindet die Palästinensische Gemeinde Hannover und den Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen ein vertrauensvoller und, im gegenseitigen Verständnis für einander, stetig anwachsender Dialog. In vielfältigen gemeinsamen Veranstaltungen und Aktionen ist es über alle inhaltlichen Differenzen hinweg gelungen, Verbundenheit zu schaffen.

In der Zeit ihrer Annäherung haben die Konflikte im Nahen Osten immer wieder Schatten auf den Dialog der niedersächsischen Palästinenser und Juden geworfen – blockieren oder gar beenden konnten sie diesen aber zu keiner Zeit.
Die Ereignisse der letzten zwei Wochen sind eine weitere Belastungsprobe. Nichtdestotrotz, oder vielmehr gerade deswegen, haben die palästinensischen und die jüdischen Gemeinden in Hannover ihre Dialogbereitschaft untermauert. Ausgedrückt auch durch die gemeinsame Einladung des israelischen Beststellerautors Eshkol Nevo, der trotz der Umstände letzte Woche aus Tel Aviv nach Hannover gereist ist.

Der in Niedersachsen gelebte offene Dialog zwischen Palästinensern und Juden ist beispiellos. Umso mehr stehen diese erschüttert dem teilweise offen gezeigten Antisemitismus in Deutschland gegenüber.
Die Palästinensische Gemeinde Hannover und der Landesverband der jüdischen Gemeinden Niedersachsen setzen sich ausdrücklich für offene Kritik und offene Meinungsäußerung in jede Richtung ein, immer versehen mit dem nötigen Respekt und dem nötigen Anstand für den jeweils anderen. So gelingt es ihnen, nicht jede Kritik an dem Vorgehen Israels als antisemitisch motiviert einzustufen und nicht jede Solidaritätsbekundung für die palästinensischen Maßnahmen als Sympathie für die Hamas zu brandmarken.

Die Palästinensische Gemeinde Hannover und der Landesverband der jüdischen Gemeinden Niedersachsen erklären ausdrücklich, dass sie antisemitische und antidemokratische Tendenzen entschieden zurückweisen. Beleidigungen, Hetze oder Anfeindungen und jede Anspielung auf geschehenes Unrecht, auf den Holocaust, sind absolut unakzeptabel und werden nicht toleriert. Der Androhung oder gar der Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt gegen anders Denkende wird mit großer Entschiedenheit entgegengetreten.

Trotz unterschiedlicher Meinungen und Empfindungen zu den Geschehnissen im Nahen Osten, gehen die Palästinensische Gemeinde Hannover und der Landesverband der jüdischen Gemeinden Niedersachsen respektvoll und vertrauensvoll miteinander um und erwarten dies von allen, die an den Kundgebungen teilnehmen.

Die Palästinensische Gemeinde Hannover und der Landesverband der jüdischen Gemeinden Niedersachsen appellieren daher eindringlich, dem guten Geiste ihres Dialoges zu folgen und gemeinsam für die freiheitlich demokratische Grundordnung, die Einhaltung der Menschenrechte und die gegenseitige Toleranz und Akzeptanz einzutreten, nicht nur in Hannover und in Niedersachsen, sondern in ganz Deutschland.

Dr. Yazid Shammout, Palästinensische Gemeinde Hannover

Michael Fürst,  Jüdische Gemeinde Hannover