5. September 2017

Niedersachsen droht Mangel an Hebammen – Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung unzureichend

Pia Zimmermann, Landesvorsitzende DIE LINKE. Niedersachsen und Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl

„Auch in Niedersachsen weisen Hebammen schon lange Zeit auf ihre missliche finanzielle Situation und die enormen Belastungen durch steigende Haftpflichtprämien hin. Nachwuchs lässt sich in diesem wichtigen Beruf unter solchen Voraussetzungen nur noch schwer finden. Wenn jetzt in absehbarer Zeit auch noch rund 500 Hebammen in den Ruhestand gehen, wird’s eng mit der Versorgung an Hebammenleistungen in Niedersachsen. Besonders im ländlichen Raum ist es bereits jetzt schon schwierig, eine Hebamme zu bekommen. Hier besteht akuter Handlungsbedarf“, sagt Pia Zimmermann, Landesvorsitzende der niedersächsischen LINKEN und Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, anlässlich des Aktionstags des Hebammenverbands Niedersachsen am vergangenen Freitag. Zimmermann weiter: „Die Bundesregierung redet viel, unternimmt aber wenig. So wurde bisher lediglich ein Sicherstellungszuschlag für Hebammen und Entbindungspfleger zur Erstattung der immens gestiegenen Haftpflichtprämien beschlossen. Das ist völlig unzureichend. Wir fordern seit 2010 einen staatlichen, beim Bundesversicherungsamt angesiedelten Haftungsfonds, um Hebammen unabhängig von privaten Versicherungen zu machen und finanziell zu entlasten.“

Vorstandskollege und Landtagskandidat Lars Leopold ergänzt: „Die Versorgung mit Hebammenleistungen gehört zur Grundversorgung der Bevölkerung – wie die Versorgung mit Hausärztinnen und Hausärzten. Deshalb muss sie wohnortnah erfolgen, etwa in Versorgungszentren oder Hebammenstützpunkten. Für eine grundlegende Lösung bedarf es einer wissenschaftlich fundierten, kleinräumigen und konsequent an der gesundheitlichen Versorgung ausgerichtete Bedarfsplanung für alle Gesundheitsberufe. Um wieder eine flächendeckende Versorgung mit Hebammenleistungen herzustellen, ist eine wirksame Honorarreform auf den Weg zu bringen. Hebammen leisten eine qualifizierte und wichtige Arbeit, die gut entlohnt werden muss. Es bleibt viel zu tun, bis sich die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Hebammen bessern und jede Frau eine Wahlmöglichkeit hat, wie und wo sie gebären möchte. Vor- und Nachsorge, eine 1 zu 1-Betreuung, weitere Verbesserung der Qualität der Geburtshilfe – alles Themen, die jetzt dringend auf die Tagesordnung gehören.“