11. Mai 2018

Multiresistente Keime: Landesregierung verkennt Ernst der Lage

„Dass Antibiotika-resistente Keime in der Umwelt zu finden sind und sich dort ausbreiten können, überrascht wenig. Die scheinbare Gelassenheit der GroKo in Hannover bei diesem Thema überrascht jedoch umso mehr. Wie stark unsere Gewässer tatsächlich belastet sind, müssen offenbar weiterhin die Medien feststellen, weil die zuständigen Landesministerien bisher keinerlei Notwendigkeit für systematische Kontrollen auf solche Erreger sehen“, kritisiert Pia Zimmermann, Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der niedersächsischen LINKEN, die rot-schwarze Landesregierung. Zimmermann weiter: „Sogar das Bundesumweltministerium spricht sich bereits für systematische Untersuchungen aus, sieht besonderen Handlungsbedarf in Badegewässern und hält eine weitergehende Abwasserreinigung in einigen Gebieten für erforderlich. Angesichts der Gefahr, dass sich multiresistente Keime ausbreiten und zum Gesundheitsrisiko beim Menschen werden, verkennt die Landesregierung offenbar den Ernst der Lage.“

Vorstandskollegin Rita Krüger ergänzt: „Während solche Erreger bei gesunden Menschen in der Regel nicht zu einer Infektion führen, wird es jedoch bei Personen mit beispielsweise einer offenen Wunde, einer vorhandenen Immunschwäche oder einer eventuell nötigen Operation problematisch. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass die resistenten Bakterien beispielsweise in Kliniken oder Pflegeheime eingeschleppt werden. Deshalb ist es eben keine abstrakte Gefahr, wenn diese Keime heutzutage in Badegewässern, in unseren Bächen und Flüssen nachgewiesen werden, sondern ein Alarmsignal. Die Landesregierung muss jetzt aktiv werden und sich neben systematischen Kontrollen der Gewässer auch um eine deutliche Reduzierung des bisher massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung kümmern. Vor allen Dingen muss Schluss sein mit dem Einsatz von Reserveantibiotika, die beim Menschen nur dann zum Einsatz kommen, wenn nichts anderes mehr hilft, aber in Geflügelställen jedoch zum Standardprogramm gehören.“