7. Februar 2018

Linke kritisiert zögerliche Haltung der Landesregierung zu lebensgefährlichen Keimen in niedersächsischen Gewässern

Mit scharfen Worten kritisiert der ehrenamtliche politische Geschäftsführer der niedersächsischen LINKEN, Dr. Michael Braedt, die abwartende Haltung der Landesregierung bei den festgestellten multiresistenten Keimen in Gewässern. Der Chemiker Dr. Braedt war selbst über 20 Jahre zuständig für Chemikaliensicherheit im Niedersächsischen Umweltministerium und weiß, wovon er spricht.

Laut einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums von 2015 sterben pro Jahr bis zu 15.000 Menschen, insbesondere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, an den Folgen von aggressiven sogenannten multiresistenten Keimen, weil diese gegen die meisten Antibiotika resistent sind. Wenn insbesondere diese Keime hinter den Abwasseranlagen von Krankenhäusern, hinter Kläranlagen und im Umfeld von Massentierhaltungen auftauchen, müsse doch endlich gehandelt werden. Doch das Niedersächsische Umwelt- sowie das Gesundheitsministerium wollen erst mal abwarten, das Landwirtschaftsministerium sei ganz auf Tauchstation gegangen, so Dr.Braedt.

„Ich unterstütze die Forderung der Präsidentin des Umweltbundesamtes Frau Maria Krautzberger nach einer 4. Klärstufe in den Kläranlagen, die auch Antibiotika und Arzneimittelrückstände herausfiltert und halte es für zynisch, wenn das von der Landesregierung wegen zu hoher Kosten bisher abgelehnt werde. Menschenleben gegen Euros verrechnen, das ist zynisch“, so Michael Braedt.

Als Hauptproblem sieht der Chemiker jedoch den nach wie vor massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Wer zigtausende Geflügel auf kleinsten Raum zusammenpferche, brauche sich über den Ausbruch von Tiererkrankungen nicht zu wundern. Für die Massentierhalter sei der Einsatz von Antibiotika dann die billigste Lösung. Der Umbau zu einer ökologisch ausgerichteten und tierwohlverträglichen Landwirtschaft seit die einzige Möglichkeit, zukünftig weitere Tote durch resistente Keime zu verhindern, so Dr. Braedt abschließend. Die Landesregierung ist gefordert.