9. Februar 2017

Das gefährdet VW in seiner Substanz“

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum VW-AbgasSkandal, Herbert Behrens, will will Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vorladen, wie er im Gespräch mit Tobias Schmidt erklärt.

Wie beurteilen Sie die Vorwürfe von Ferdinand Piëch?

Die Hinweise verstärken sich, dass in Konzernspitze und Aufsichtsrat schon deutlich früher Informationen vorlagen, als es uns von Herrn Winterkorn und anderen Zeugen im Ausschuss gesagt worden ist. Wir haben deswegen einen zusätzlichen Beweisantrag aufgelegt und werden Herrn Piëch vor den Ausschuss holen. Ich rechne nicht mit Widerstand von Union und SPD, der Aufklärungswille ist da. Über den Zeitpunkt der Vorladung werden wir am Montag entscheiden. Wir haben nur Zeit bis Anfang März.

Sie halten die Vorwürfe für glaubwürdig?

Ich vermute, dass an den Aussagen Piëchs etwas dran ist. Recherchen und Hinweise aus den Akten deuten darauf hin, dass man uns im Ausschuss nicht die volle Wahrheit gesagt hat. Deswegen gehen wir dem nach. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Weil wird am Donnerstag vor dem Ausschuss erscheinen. Er muss uns reinen Wein einschenken. Wir geben uns mit Behauptungen, er habe erst am 19. September

2015 von alldem erfahren, nicht mehr zufrieden. Bei VW muss jetzt endlich Klarheit hergestellt werden. In Wolfsburg herrschen Chaostage. Das gefährdet das Unternehmen in seiner Substanz. Wir müssen endlich erfahren, warum Strukturen bei Volkswagen nicht aufgedeckt worden sind, die diese Katastrophe für VW und die ganze Automobilindustrie verursacht haben. Die Versuche der Zeugen, statt aufzuklären zu verschleiern, müssen ein Ende haben.

Sehen Sie Anhaltspunkte, dass die Regierung früh informiert war?

Wir haben immer wieder erfahren, dass Behörden und Ministerien durchaus Teilinformationen hatten. Diese sind jedoch nicht zu einem Gesamtbild zusammengefügt worden. Jeder behielt sein Wissen für sich. Ob dies bewusst geschah, damit das Ausmaß des Skandals gar nicht erfasst werden konnte, müssen wir noch herausfinden. Wir werden auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) noch dazu befragen, welche Teilinformationen in seinem Haus damals gesammelt wurden. Ich habe den Eindruck, dass man angesichts der vorhandenen Erkenntnisse im Ministerium und den zuständigen Ämtern viel früher hätte eingreifen können. Dann wäre der systematische Betrug durch VW und womöglich auch durch andere Konzerne gestoppt worden.