25. März 2016 Diether Dehm, Anja Stoeck

Bundesweites Newroz-Fest in Hannover

Der neue Tag“ - 19.3.2016

Vom „Leuchten auf dem Antlitz“ schwärmte einst Marx, als er vom kämpfenden Proletariat der Pariser Kommune schrieb. Und davon, wie individuell die Schönheit werden konnte, wo für dieselbe gerechte Sache gefochten würde. 

Dies kam uns in den Sinn angesichts dieser Menschenmassen, vorwiegend Kurdinnen und Kurden, als sie am Steintor vorbei demonstrierten, friedlich, machmal sogar fröhlich trotz der menschenverachtenden Politik Erdogans, gestützt durch die deutsche Regierung – gebilligt durch die EU.

Kurdische Frauenbatallione, die gegen die mörderische Übermacht der von Saudis, CIA und Erdogan hochfinanzierten Terrorarmee stehen, Menschen, die sich schützend  auch vor Christen und Jesiden, ganz anders Denkende also, mit ihrem Leben und ihren Waffen stellen – und jetzt: das durch Widerstand geprägte kurdische Neujahrsfest mit Singen, Tanzen, Fröhlichkeit, aber auch ernsten Reden und Apellen. 

In den, meist kurdisch vorgetragenen, Redebeiträgen wurde über Morde an, Verfolgung von Kurdinnen und Kurden berichtet, die Politik der türkischen Regierung heftig angegriffen und immer wieder kritisiert, dass die EU und Deutschland, die sich ein menschenwürdiges Antlitz geben, sich auf diesen unsäglichen Deal mit der Türkei  einlassen – Flüchtlingspolitik kontra Menschenrechte? 

Blickvon der BühneUnsere Gedanken waren: Sind wir, Linke, in den Metropolen des Imperialismus eigentlich noch zu irgendwas zu bewegen? Sind wir von irgendetwas noch wirklich bewegt? Und warum bewegen wir uns nicht? So, wie diese Demonstration am 19.März, die um 10:30 Uhr am Waterlooplatz begann und in einem nachdenklich-solidarischem Fest am Abend endete.

30000 Menschen, die gut organisiert feierten und gedachten, trotz oder gerade wegen der mörderischen Bedrohungen und der Terror-Verbotsliste des deutschen Komplizenregimes ihre tapfere Heiterkeit entgegen stemmten. 

Der wirkliche Höhepunkt war auf der großen Bühne mit der live-TV-Übertragung bis in die fernen Kurdengebiete der von niemand im Publikum voraussehbare Auftritt einer Legende aus dem syrischen Widerstand gegen die IS, Salih Müslim. Im Backstage-Zelt erklärte er ausführlich die komplizierte geostrategische Lage der Kurden, einerseits von der Luftwaffe Erdogans bombardiert, andererseits von den Terroristen des hochgerüsteten IS, deren Umsatz aus Ölgeschäften mit der Türkei und Saudiarabien den französischen Wehretat übersteigt, und dann auch noch die ungeklärte Konfliktlage mit der syrischen Regierung, die sich nur allmählich verändern würde. 

Anja auf der BühneGegen 15:30 Uhr konnte Anja Stoeck die Grüße des niedersächsischen Landesverbands überbringen, was unter großem Aplaus aufgenommen wurde. Das gemeinsame Rufen: „Hoch die internationale Solidarität“, angeregt durch die Teilnehmenden, zeigte die Aufgeschlossenheit für DIE LINKE.

Danach trat Diether Dehm mit durchaus durchgedrückten weichen Knien zu der von den Veranstaltern erfragten Rede nebst zwei Liedern auf.:

http://weltnetz.tv/video/754-newroz-feier-2016-hannover

Auch hier tosender Beifall! 

Diether DehmDiether Dehm:„Eine junge kurdische Frau nahm mich hinter der Bühne beiseite, um mir zu sagen, dass sie zunächst bei der Ankündigung eines deutschen Redners gedacht hätte: „oh, jetzt wird es formal und langweilig“. Aber dass es anders gekommnn sei. Ich hätte ihr um den Hals fallen können. Ich dachte: Ja, wir müssen noch viel mehr Solidarität mit diesen Menschen üben, denen so schrecklich mitgespielt wird. Wir müssen als Künstler zusammenhalten, als Gewerkschafter, als Freiheitsliebende und als Genossinnen und Genossen, aber eben auch als Proeuropäer, deren Ideale und Menschenrechte nicht von der EU und dem blutige Merkel-Erdogan-Deal verteidigt werden, sondern von diesen Menschen  hier und in Kobane, in der Türkei,  im Irak, in Syrien - und die zu den Teilen der Menschheit zählen, denen wir nicht genug danken können.“