28. Juni 2016

Milchkrise: Wirtschaftssanktionen gegen Russland und Marktübermacht von Molkereien und Supermarkt-Ketten Ursache für Preisverfall

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Eine Vielzahl deutscher Milchbauern ist angesichts des dramatischen Preisverfalls bei Milch in einer existenzbedrohenden Lage. Der Vorsitzende des Bauernverbands, Joachim Rukwied, spricht aktuell von bis 14.000 Betrieben, die innerhalb eines Jahres ganz oder teilweise aufgeben werden. Mit 6,9 Millionen Tonnen erzeugter Milch pro Jahr und damit Platz zwei hinter Bayern ist auch Niedersachsen von der Krise betroffen. Hierzu erklärt Andreas Maurer, Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE. Niedersachsen:

„Um die strukturellen Ursachen der Krise zu beheben ist neben einer Mengenreduzierung, die schnellstmögliche Beendigung der Russland-Sanktionen auf europäischer Ebene notwendig. Der wegfallende Absatzmarkt hat weitreichende negative Konsequenzen vor allem für die Ernährungswirtschaft. Der Absatz landwirtschaftlicher Produkte ist durch einen Preisverfall in Folge der Sanktionen beeinträchtigt. Die Landesregierung ist jetzt am Zug, endlich auf die für die Wirtschaft von Niedersachsen negativen Auswirkungen dieser Sanktionen zu reagieren und Druck auf die Bundesregierung auszuüben, die Sanktionen für beendet zu erklären.“, fordert der LINKEN-Politiker.

Vorstandskollege, Lars Leopold, ergänzt: „Wirtschaftspolitisch sind die Auswirkungen der Sanktionen für Niedersachsen katastrophal. Es werden in großem Umfang Arbeitsplätze gefährdet und die Landwirtschaft geschädigt. Durch die anhaltende Milchkrise drohen allein den Milchbauern in Niedersachsen Einnahmeverluste von jährlich bis zu 1,2 Milliarden Euro.“ Leopold sieht jedoch eine weitere Ursache der Milchkrise: „Handels- und Molkereikonzerne haben Milch zur Ramschware gemacht. Selbst vom Dumpingpreis würden erst noch die Gewinne der Konzerne abgezogen, sodass nur noch Almosen für die Erzeuger übrig bleiben würden. Das ist sittenwidrig. Hier muss über Kurz oder Lang die Marktübermacht von Molkereien und Supermarkt-Ketten beendet werden, um die Position der Erzeuger zu stärken.“ DIE LINKE. unterstützt die Forderungen der Milcherzeuger, stärkeren Einfluss auf die Preisbildung zu bekommen.

„Während Molkerei- und Handelskonzerne weiter profitieren, wird die eigentliche Ursache, nämlich die massive Überproduktion weiter ausgeblendet. Die Nahrungsmittelproduktion darf nicht allein dem Markt überlassen werden. Wir brauchen endlich regionale und transparente Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen und eine wahre und klare Kennzeichnung, der man vertrauen kann. Bäuerinnen und Bauern brauchen Erzeugerpreise, die ein Mindesteinkommen sichern. Politisch sind dafür jetzt die Rahmenbedingungen zu schaffen!“, fordert Leopold.