19. April 2016 Behiye Uca

Behiye Uca wünscht allen Eziden einen frohen "Carsema Sor"

Zum „Roten Mittwoch“ („Çarşema Sor“), der dieses Jahr auf den 20. April fällt, wünscht Behiye Uca, allen Eziden ein frohes und besinnliches Fest. Im religiösen Kalender der Eziden beginnt damit das neue Jahr. Der „rote Mittwoch“ ist nach êzîdîscher Mythologie der Tag, an dem die Schöpfung der Erde vollendet wurde: Die Sonnenstrahlen erreichten zum ersten Mal die Erde, so dass sich das Firmament rot färbte - daher der Name. Die Kreistags- und Stadtratsabgeordnete weist darauf hin, dass viele im vergangenen Jahr aus dem Irak geflohenen Ezidinnen und Eziden diesen Tag erstmals in Celle verbringen würden: „Ich wünsche Ihnen und allen anderen, die neu in Celle leben, einen Start auch in ein neues Leben. Es wird schwierig, aber das Leben in Deutschland bietet auch viele Chancen. Wir sollten dafür sorgen, dass diee Chancen genutzt werden können.“

Zur Geschichte:

Das êzîdîsche Neujahr wird am ersten Mittwoch im April gefeiert, was nach êzîdîschem Kalender stets auch der erste Tag im Monat April und des neuen Jahres ist. Da der êzîdîsche Kalender dem in Deutschland gültigen gregorianischen Kalender um 13 Tage nachgeht, wird das Neujahresfest am ersten Mittwoch im Monat April gefeiert, der zum oder nach dem 14. April im gregorianischen Kalender anfällt. Im Kurdischen heißt der Monat April „Nîsan“. Der erste Tag im Monat „Nîsan“ ist der „Çarşema sor“ („Roter Mittwoch“). Es ist nach êzîdîscher Mythologie der Tag, an dem die Schöpfung der Erde vollendet wurde: Die Sonnenstrahlen erreichten zum ersten Mal die Erde, sodass sich das Firmament rot färbte – daher auch der Name.

Desweiteren war es der Tag, an dem das Oberhaupt der êzîdischen Erzengel Tawisî Melek (dt. „Gottes Engel“) erstmals auf die Erde kam. Tawisî Melek ist der Mittelpunkt der 7 Erzengel, er repräsentiert also den Mittwoch, die Mitte der Woche bzw. die Mitte der sieben Erzengel. Der Mittwoch ist der Ruhetag der Êzîdî, ähnlich dem Sonntag für die Christen. Jedes Jahr, zu Çarşema Sor, kommt Tawisî Melek zur Erde um Glück und Segen für die Menschen zu bringen. Çarşema Sor steht im Zeichen des Neuanfanges, sowohl des Jahres als auch des Lebens.

Der April wird von Êzîden auch die „Braut des Jahres“ („Bûka salê“) genannt. Êzîden glauben, dass in diesem Monat die Engel heiraten. Deshalb ist es den Êzîdî untersagt, eine Hochzeit oder eine Verlobung zu feiern, denn dann findet die Heirat der Götter statt. An diesem Tag trifft der „Dîwan“ (dt. höchster heiliger Rat) zusammen, der auf Grundlage des vergangenen Jahresverlaufes das anstehende Jahr bestimmt. In diesem Dîwan sind die sieben Erzengel anwesend. Tawisî Meleks Aufgabe als oberster Emissär ist es, die Beschlüsse des Dîwans für das anstehende Jahr zu vollziehen.

Ein weiterer Brauch am Tag vor dem roten Mittwoch ist das Färben von Eiern, so wie es die Christen zu Ostern tun. Das Färben von Eiern ist êzîdîschen Ursprungs. Im Êzîdentum haben diese gefärbten Eier eine besondere Bedeutung. Sie stellen die Ur-Perle dar, aus dessen Explosion das gesamte Universum entstanden ist. Sie wird als „Dur” bezeichnet. Die gefärbten Eier erinnern an die Vollendung der irdischen Schöpfung und den damit einhergehenden Beginn des Lebens. Im Heiligtum Laliş werden am „roten Mittwoch“ die Kuppeln und Eingänge mit Tüchern in den Farben des roten Mittwochs geschmückt wie auch Bäume und Sträucher. Es kommen Êzîden, um sich gegenseitig zum neuen Jahr zu beglückwünschen. Ein Feqîr, ein frommer Würdenträger, bringt ein heiliges Feuer, das im Heiligtum entzündet wurde, zu den wartenden Êzîden. Diese versuchen einen Docht oder kleine Fackeln mit diesem heiligen Feuer zu entzünden und loben die Schöpfung Gottes.Die Würdenträger rezitieren am Eingang des Heiligtums Qewls. Am Abend des „roten Mittwochs“ flackern tausende von kleinen Dochten am Heiligtum. Im Andenken an die Schöpfung der Erde werden von êzîdîschen Würdenträgern in der Regel Armbänder, das sog. „Bazinbar“, geflochten und an die Êzîden verteilt.