20. März 2014 Jutta Meyer-Siebert

Zum Equal Pay Day 2014: The same Procedure as every Year?

Viele von uns sitzen Jahr für Jahr am Silvestertag spätnachmittags vor der Glotze und wischen sich vor Lachen die Tränen aus den Augen, wenn Freddie Frinton seiner Partnerin May Warden den 90. Geburtstag mit immer gleichem Ritual zelebriert: The same procedure as every year?

Den Frauen, die der Einladung eines Bündnisses in Hannover zu einer Equal-Pay-Day-Silvester-Feier 2014 folgen, treibt es vielleicht auch die Tränen in die Augen – aber nicht vor Lachen, sondern vor Wut: Die Tage, die sie länger arbeiten müssen, um auf das Jahresgehalt zu kommen, das Männer schon am 31.12. 2013 in der Tasche hatten, sind in diesem Jahr nicht weniger, sondern um zwei Tage mehr geworden. Die Lohnlücke zwischen den Entgelten von Frauen und Männern beträgt unverändert 22 % - so das Statistische Bundesamt, das wie immer pünktlich zu dem jährlichen Equal Pay Day die aktuellen Daten präsentiert. The same procedure as every year.

Unverändert sind auch die Analysen: Zu zwei Dritteln lassen sich die ungleichen Löhne darauf zurückführen, dass Frauen in den „Frauenberufen“ arbeiten, die generell schlechter bezahlt werden; sie sind in mittleren und höheren Führungsebenen seltener vertreten als Männer; ihr Anteil an Teilzeitarbeit und Niederiglohn beträgt 80%. Bei immerhin einem Drittel der Einkommen erfolgt die Lohndiskrimierung unmittelbar: bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen auch in Niedersachsen etwa 7 % weniger als ihre männlichen Kollegen.

Was tun? The same procedure as every year – noch: Wir prangern an, dass eine Großhandelskauffrau nach 40 Berufsjahren ca 271.000 € weniger in der Tasche hat; eine Köchin 198.240 € nach 40 Berufsjahren; einer Ärztin gehen in 35 Jahren 441.000 € verloren. Und was heißt das im Rentenalter? Die Durchschnittsrente lag bei Frauen 2012 bei 645 €, die Männner erhielten 899 € - das sind 40,8 % mehr Rente für Männer als für Frauen.

Das ist Lohnraub, der ist ein Skandal und gehört gesetzlich verboten: Firmen müssen verpflichtet werden, gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu zahlen; ein gesetzlicher Mindestlohn von wenigstens 10 € ist unbedingt notwendig, um Frauen aus dem Niedriglohnsektor zu holen. Dafür kämpft die LINKE unmissverständlich, the same procedures im besten Sinn.

Aber unsere Politik zielt auf mehr: Im Visier haben wir eine Gesellschaft, in der die Arbeitsteilungen der Geschlechter überwunden sind, weil wir alle durch radikale Umverteilung von Arbeit, Zeit und Geld in der Lage sind, am ganzen Leben teilzuhaben. Die geringe Wertschätzung sorgender und pflegender Arbeit gegenüber der in der Güterproduktion und Dienstleistung - wesentliche Grundlage des Lohnraub-Skandals - wird beseitigt sein in einer Gesellschaft, die ihr Gleichgewicht gefunden hat und "sich um die Sonne der Arbeit dreht" (Karl Marx, MEW 18, 570)