30. März 2013

Kein Dumping in der Pflege

Um den Mangel an Pflegekräften in Niedersachsen entgegenzutreten plant die Niedersächsische Regierung, ausländische Pflegekräfte anzuwerben und die Zugangshürden zu einer Arbeitserlaubnis zu senken. Grundsätzlich ist der einfachere Zugang zu einem Arbeitsplatz in Deutschland zu begrüßen. Im Pflegebereich sind damit aber auch Anforderungen verbunden, die die Sozialministerin Rundt nicht einfach umgehen kann. Hierzu die Hamelner Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann, Sprecherin für Arbeit und Mitbestimmung der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:

"Qualitätsanforderungen an ausländische Pflegekräfte zu reduzieren, um mehr Fachkräfte anzulocken ist der falsche Weg. Sprachkompetenz ist der Schlüssel für eine gute Pflege. Mit dem niedersächsischen Sonderweg werden die Pflegestandards gesenkt. Die Finanzierungslücke im Gesundheitssystem wird so auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen."

"Der Fachkräftemangel in der Pflege hat eine Ursache: Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in der Pflege sind katastrophal. Der Personalmangel ist zudem hausgemacht: Die Krankenhäuser sparen am Personal und der Leistungsdruck auf jede einzelne Pflegekraft ist enorm. Kein Wunder, dass ausgebildete Pflegekräfte schwer zu finden sind.

Die Lösung für den angespannten Pflegearbeitsmarkt wäre eine deutlich höhere Bezahlung und eine deutlich verbesserte Personalbemessung, das heißt weniger Patienten pro Pflegekraft. Das würde den Beruf attraktiver machen.“Patrick Humke, ehemaliger Landtagsabgeordneter und im Landesvorstand DIE LINKE. Niedersachsen verantwortlich für Sozialpolitik hat bereits 2011 die Praxis kritisiert, ausländische Pflegekräfte für einen Monatslohn von 1.500 Euro einzustellen. Patrick Humke: „Eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung darf es nicht für umgerechnet drei Euro netto die Stunde geben. Bei der Pflege handelt es sich um körperlich und geistig anstrengende Arbeit.“ Wichtig ist, das ausländische Pflegekräfte nicht dazu benutzt werden, die Pflege in Deutschland so billig zu halten. Dabei kritisiert Humke vor allem die Sozialministerin: „Frau Rundt sollte sich in ihrem neuen Job als Sozialministerin ganz schnell von alten Gewohnheiten aus ihrem Job bei einem Wohlfahrtsverband verabschieden. Ihre Aufgabe ist nicht die einseitige Interessenvertretung von Wohlfahrts- und Sozialverbänden. Sie hat die Interessen der Pflegenden und der zu pflegenden Menschen im Blick zu behalten und sich für Standards qualitativer Pflege einzusetzen.“