25. Oktober 2008
Ländlicher Raum – neue Entwicklungen für die Landwirtschaft
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60 Prozent der Fläche in Niedersachsen wird landwirtschaftlich und 20 Prozent waldwirtschaftlich genutzt. Land- und Forstwirtschaft haben daher für die Landespolitik einen hohen Stellenwert. Kam 1950 noch ein Landwirt auf zehn Menschen, so ernährt heute ein Landwirt 120 Menschen. Diese enorme Produktivitätssteigerung hat ihren Preis – aus Bauernhöfen sind vielerorts Agrarfabriken, aus gegliederten Landschaften oft leer geräumte Flächen geworden, auf denen mit Spritzgiften alles ökonomisch nicht verwertbare Leben vernichtet wird. Viele ländliche Gebiete in Niedersachsen sind angesichts abnehmender Bevölkerungszahl und stagnierender wirtschaftlicher Entwicklung zunehmend mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert.In den letzten Jahren wurden besonders die kleineren Höfe extrem benachteiligt, sie werden teilweise von der Vergünstigung von Dieselkraftstoff ausgeschlossen (Selbstbehalt), die zahlen einen im Verhältnis ungleich höheren Beitrag zur landwirtschaftlichen Krankenversicherung, sie bekommen weniger für ihre Milch (Tankstopp, Aufschläge der Milchwirtschaft für Jahresmengen über 500.000 kg Milch) und müssen für geringere Bestellmengen einen höheren Einkaufspreis zahlen.
Der trockene Frühling 2007 machte die Folgen eines kommenden Klimawandels sichtbar. Die Trockenheit durch ausbleibenden Regen stellte ein enormes Problem für die Bäuerinnen und Bauern dar. Angesichts der zunehmenden Probleme infolge von Klimawandel, Artensterben und sozialem Strukturwandel hätte auch Landwirtschaftsminister Ehlen eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Struktur in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen müssen.
Der Raubbau an der Natur schreitet in der Landwirtschaft weiter voran, Mais- und Rapsfelder mit fehlenden Fruchtfolgen prägen das Landschaftsbild. Güllegestank aus Massentierhaltungen senkt die Luftqualität und damit auch die Möglichkeiten des sanften Tourismus, einem der neuen Erwerbszweige ländlicher Gebiete.
Durch die wachsende Produktion von Biodiesel, Bioethanol werden in Niedersachsen immer mehr landwirtschaftliche Flächen für die Bioenergieproduktion in Anspruch genommen. Doch ein zu hoher Flächeneinsatz für die Bioenergieproduktion ist landwirtschaftlich kurzsichtig und ernährungspolitisch gefährlich. Der zunehmende Anbau von Energiemais birgt erhebliche ökologische Risiken und hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Zur regenerativen Energiegewinnung sollten vor allem überschüssige Gülle und ohnehin anfallende pflanzliche Abfälle genutzt werden.
Die Landesregierung will Niedersachsen zu einem führenden Forschungsstandort auf dem Gebiet der „grünen Gentechnik“ ausbauen und fördert die Entwicklung durch die Firma Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS) mit 600.000 Euro. Sie setzt sich im Bundesrat für eine Abschwächung der Haftungsregeln für den Freilandanbau genmanipulierter Pflanzen ein. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt den Verzehr gentechnisch veränderter Nahrungsmittel ab. Außerdem sind die Auswirkungen eines solchen Anbaus auf andere Organismen nicht abschätzbar. Der Einsatz gentechnisch veränderten Saatgutes erhöht zudem die Abhängigkeit der Landwirtschaft von den Saatgutkonzernen.
Es geht besser
Eine nachhaltige, auf den Ressourcen ländlicher Regionen basierende Entwicklung bietet Auswege aus einem Kreislauf steigender Arbeitslosigkeit, sinkender Lebensqualität und Abwanderung.
DIE LINKE streitet für die Einheit von sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit.
DIE LINKE hält eine Koexistenz von „grüner Gentechnik“ und konventioneller Landwirtschaft für unmöglich.
Landwirtinnen und Landwirte sind vielfältige DienstleisterInnen für die Gesellschaft. Sie schaffen nicht nur Lebensmittel, sondern leisten auch Beiträge zur Kulturlandschaftspflege, zu Umweltschutz und Tourismus. In dieser Verantwortung müssen sie unterstützt werden, ideell wie finanziell.

