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25. Oktober 2008
Frauen – mehr als die Hälfte der Niedersachsen

51 Prozent der Menschen in Niedersachsen sind weiblichen Geschlechts. Sie bilden nicht nur die Mehrheit. Sie leisten auch jeden Tag mehr Arbeitsstunden als Männer. Sie leiden unter mehr Stress, unterliegen einem höheren Armutsrisiko, übernehmen mehr Erziehungs- und Betreuungsverantwortung. Es sind fast ausschließlich Frauen, die Gewalt in der Ehe ausgesetzt sind.
In anderen Bereichen dagegen erhalten Frauen deutlich weniger als die Hälfte: beim Einkommen, bei gesellschaftlichen und beruflichen Führungspositionen, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der sozialen Anerkennung.

Frauenpolitik heißt für DIE LINKE, eine feministische Lesart ökonomischer und gesellschaftlicher Prozesse und eine entsprechende politische Gestaltung in der Arbeitswelt, der Bildung, den Sozialsystemen, der Öffentlichkeit und in der eigenen Organisations- und Politikentwicklung voranzubringen. Frauenpolitik ist ein Querschnittsthema, das in allen politischen Bereichen verankert werden muss. Gleichzeitig ist Frauenpolitik als ein eigenes Politikfeld notwendig, solange die strukturelle Benachteiligung von Frauen nicht überwunden ist. ,,Gender-Mainstreaming” kann dieses Politikfeld ergänzen, nicht aber ersetzen.

Für DIE LINKE sind Geschlechterquotierung, ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit sowie bedarfsdeckender Ausbau von Ganztagseinrichtungen zur Kinderbetreuung zentrale politische Forderungen. Die Trennung in männliche und weibliche soziale Rollen, die strukturelle Diskriminierung des weiblichen Geschlechts müssen aufgehoben werden. Wir wollen die bestehenden patriarchalen Regelungen im Sozial- und Steuerrecht beseitigen.

Bereits Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat in Niedersachsen alle Frauenprojekte, die bisher mit so genannten Kleinstförderungen von bis zu 7000 Euro unterstützt wurden, komplett gestrichen.

Die Verpflichtung von Kommunen ab 20.000 Einwohnern, hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen, wurde 2005 durch eine Änderung der Niedersächsischen Gemeindeordnung (NGO) auf  Landkreise und große kreisfreie Städte reduziert. Damit fiel die Zahl der verpflichtend hauptamtlich zu beschäftigenden Frauenbeauftragten von 137 auf 55, die tatsächliche Zahl fiel bereits innerhalb eines Jahres von 187 auf 135.

Und: Die Gleichstellungsbeauftragten können – durch die zu 80 Prozent von Männern dominierten Räte – mit einfacher Mehrheit abgewählt werden!

Den Initiatoren von Frauenprojekten, Vereinen und Verbänden wird auf diese Weise nach der materiellen Unterstützung zusätzlich noch die AnsprechpartnerInnnen  entzogen. Hauptberufliche Frauenbeauftragte kümmern sich um Tagesmütter und Alleinerziehende, bringen Gewalt an Frauen und Kindern zur Sprache. Sie stellen Verbindungen her, ermöglichen kurze Wege. Oft sind sie der entscheidende Anstoß  für KommunalpolitikerInnen, für weitere Fortschritte in der Chancengleichheit für Frauen und Mädchen zu streiten.

Junge Frauen

Längst haben Mädchen und junge Frauen im Durchschnitt die besseren Bildungsabschlüsse. Dennoch finden sie schwerer einen anspruchsvollen, gut bezahlten Arbeitsplatz, höhere Positionen sind ihnen schwerer zugänglich. Das Dilemma beginnt mit der Berufswahl: Auch in Niedersachsen entscheiden sich noch immer mehr als die Hälfte der Mädchen für die klassischen, schlecht bezahlten Frauenberufe. In den Ingenieurberufen beträgt der Frauenanteil jedoch nur zehn Prozent. Verfestigte Rollenstereotypen verhindern, dass  Frauen in Physik und technische Berufe eindringen. Der Girls’ Day in Niedersachsen war ein Anfang. Leider wurde er inzwischen sinnentstellend in einen so genannten „Zukunftstag“ für Mädchen und Jungen umgewandelt.

DIE LINKE setzt sich für kulturelle Projekte ein, die gezielt eine Veränderung dieser patriarchalen Mentalität fördern. Dazu gehört, dass Kinder schon im Kindergarten und in der Schule ein geändertes Rollenverhalten erlernen (siehe Abschnitt „Alle fördern, keinen zurücklassen“.) Es ist notwendig, die Berufsberatung auszubauen und sie inhaltlich zu verbessern.

Frauen auf dem niedersächsischen Arbeitsmarkt – prekäre Beschäftigung nimmt zu!


Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre auf dem niedersächsischen Arbeitsmarkt oberflächlich, so scheinen Frauen die Gewinnerinnen zu sein. Der Zuwachs an Beschäftigung ging zum größten Teil an Frauen. Geht man jedoch in die Tiefe, zeigen sich die Probleme, nämlich

    *eine Zunahme von Teilzeitarbeit, was bedeutet: Einkommen, von dem frau nicht alleine leben kann und ein Arbeitsplatz ohne Aufstiegschancen. (Teilzeitquote: Frauen = 35,9 Prozent, Männer = 5,1 Prozent/ Stand: Juni 2005)
    *eine Zunahme von Befristungen, meist auf ein halbes Jahr, was jegliche Lebensplanung unmöglich macht. Es gibt Branchen, die vorrangig mit Befristungen arbeiten (zum Beispiel Callcenter).
    *eine Zunahme von Mini-Jobs, also ein bisschen „Zuverdienst“ ohne nennenswerte eigenständige soziale Sicherung. Ihre Zahl stieg in Niedersachsen allein von 2003 auf 2005 um 7,7 Prozent. 68,7 Prozent der Minihauptjobs werden von Frauen belegt (Stand Juni 2005).
    *eine Zunahme von Frauenarbeit in Niedriglohnbereichen, in denen Frau weit weniger als den geforderten Mindestlohn erhalten.

Im Schnitt erhalten Frauen für vergleichbare Arbeit nur 80 Prozent von dem, was Männer bekommen. Weibliches Arbeitsvermögen – besonders im Dienstleistungs- und Erziehungsbereich – wird als minderwertig eingestuft. In gut bezahlten Berufen, zum Beispiel im Ingenieurbereich, ist die Arbeitslosigkeit der Frauen größer als die der Männer. Schaltstellen der Macht werden in Wirtschaft und Gesellschaft überwiegend von Männern besetzt. Gehaltsverhandlungen, die in Prozentsätzen verharren, vergrößern die Verdienstkluft der Geschlechter Jahr um Jahr. Dies wirkt sich auch auf die spätere Rente aus. Von Altersarmut sind besonders Frauen betroffen.

Auch in Zeitarbeitsverhältnissen verdienen Frauen weniger als Männer, ihre berufliche Einstufung liegt häufiger unter der beruflichen Qualifikation.
Die Zahl der Alleinerziehenden nimmt zu – 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Sie haben die schlechtesten Jobs und geraten am schnellsten in die Hartz-IV-Falle.

 

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