8. März 2017

Der Landesrat LINKE Frauen (auch) zum 8 März 2017: Frauen vorn in Die LINKE. Niedersachsen

Wir Sprecherinnen des Landesrates LINKE Frauen sind begeistert. Wir erleben gerade einen frauenpolitischen Aufbruch in Niedersachsen, der Hoffnung macht. Ende Januar hatte die Aufstellungsversammlung mit Pia Zimmermann zum ersten Mal eine Frau auf Platz 1 der Landesliste gewählt, nachdem der Antrag des Landesrates LINKE Frauen auf eine weibliche Spitzenkandidatur beschlossen worden war. Am Sonnabend konnten Anja Stoeck und Pia Zimmermann den Vorsitz des Landesverbandes ohne eine (männliche) Gegenkandidatur übernehmen. Mit dem gleichberechtigten Sprecherinnen-Duo ist Niedersachsen Vorreiter im Spektrum der Landesverbände und bringt eine neue Nuance ein. Das gibt uns Hoffnung. Aber es stellt uns zugleich vor die Herausforderung zu zeigen,
dass sich mit weiblicher Führung ein solidarischer Umgang miteinander durchsetzen lässt, der neue Bedingungen für eine linke Politik schafft, die auch feministisch ist; die die aus historisch spezifischer Lebenstätigkeit gewonnenen Erfahrungen von Frauen auf gleicher Höhe mit den spezifisch männlichen in LINKE Politik einbringt.

Nur darin sehen wir längerfristig eine Chance, dem globalen Wahnsinn, der auch uns im reichen Deutschland schon längst in unserem Alltag eingeholt hat, die Stirn zu bieten. Der
Wahnsinn ist einem Kapitalismus geschuldet, der alle Tätigkeiten des füreinander Sorgens marginalisiert hat, weil sie keinen Profit bringen. Darin liegt die Chance: Diese Tätigkeiten als Produktivkraft für eine menschliche Welt gleichberechtigt auf die Agenda gesellschaftlicher Entwicklung und politischer Strategien zu bringen.

Das ist unsere linke feministische Vision und noch kein konkreter Politikvorschlag, aber diese Vision gibt uns eine Richtlinie für konkrete linke feministische Politik, die sich von sozialdemokratischer Reformpolitik unterscheidet.

Unsere Hoffnung, die wir mit den Wahlerfolgen unserer Genossinnen verbinden, liegt eben gerade darin, dass unserer Erfahrung nach unsere Genossinnen von dieser Vision sehr viel schneller ergriffen sind als unsere Genossen, die aus linker Tradition gelernt haben, dass der Ort von Veränderung nur der unmittelbare des Klassenkampfes sein kann.

In diesem Sinn werten wir die Wahl des neuen Landesvorstandes optimistisch als Beitrag
zum Internationalen Frauentag 2017.

Wir stimmen in die vielen heute wie seit Jahrzehnten zu hörenden und zu lesenden Forderungen ein, die im Grundgesetz garantierte Gleichberechtigung von Männern und Frauen endlich real zu machen. Aber das wäre nicht mehr und nicht weniger als die notwendige Bedingung für linke feministische Politik, die darauf zielt, dass die Entwicklung einer jeden und eines jeden die Voraussetzung für die Entwicklung aller ist.

Andrea Henkel, Tina Flauger, Jutta Meyer-Siebert